Meersburg

Von Ulm nach Meersburg zu fahren könnte ganz einfach sein, wenn die Bahnline zwischen Friedrichshafen und Überlingen nicht einen Schwenker weg vom Bodensee und so einen großen Bogen im Meersburg machen würde. So muss man von Friedrichshafen erstmal in den Bus umsteigen und erreicht nach etwa einer halben Stunde Meersburg. Man kann entweder an der Kirche oder an der Fähre aussteigen – von der Kirche aus ist man am schnellsten in der Innenstadt und kann dann zum Fährhafen herunterlaufen.

Altstadt von Meersburg

Meersburg ist einer der Touristenmagnete am Bodensee mit einer Altstadt voller Touristen schöner alter Häuser.

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Das Highlight ist natürlich die Burg mitten in der Stadt. Im Gegensatz zu vielen anderen Schlössern ist Meersburg immer noch im Privatbesitz und muss sich selbst finanzieren. Weil man also Besuchern möglichst viel bieten möchte, ist ganze Anlage auch viel lebendiger gestaltet als zum Beispiel das Schloss und Museum im staatlichen Besitz gleich nebenan.

Die gesamte Belegschaft ist in mittelalterlicher Kleidung gewandet. Oder zumindestens haben sie genau die Art von Kleidung an, die man aus (älteren) Filmen, die im Mittelalter spielen, so kennt. Das ist vielleicht nur mäßig authentisch, aber es vermittelt das Gefühl einer kleinen Zeitreise.

Jedenfalls bis ein Ritter plötzlich ein Smartphone aus der Rüstung zieht und ein holdes Burgfräulein ablichtet. Dafür ist der Mobilfunkempfang innerhalb der dicken Mauern dann wieder mittelalterlich.

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In der Burg gibt es auch Themenführungen (natürlich passend kostümiert). Zum Beispiel eine Führung durch den Dagbertsturm, von dem angenommen wird er wurde um 630 von König Dabobert I. erbaut. Manche schätzen das Gemäuer auch ein paar hundert Jahre jünger ein, aber auch ein Jahrtausend ist noch eine lange Zeit. Alt und staubig genug sieht es innen drin auf jeden Fall aus.

Ansonsten gibt viel zum Sehen, Annette von Droste-Hülshoff hat zum Beispiel ihre letzten Jahr in Meersburg verbracht. Was ich ganz angenehm fand: es gibt wenig Schautafeln, die man sich durchlesen muss. Überhaupt ist die ganze Anlage nicht so sehr als Lehrstück sondern eher als Erlebnisburg konzipiert. Was völlig in Ordnung ist; wenn mich ein Thema interessiert springe ich zurück ins 21. Jahrhundert und informiere mich erstmal bei Wikipedia.

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Überhaupt beneide ich die Ritter ein wenig um diese Burg. Sicher, das Mittelalter war nicht immer ein Zuckerschlecken (und das Burgcafe hatte vermutlich auch noch nicht geöffnet), aber bei der Aussicht lässt sich eine Belagerung schon eine Zeitland aushalten. Erobert wurde die Burg ja sowieso nie, auch wenn man es mehr als einmal probiert hat.